Historische Zeitleiste der Ukraine

Wichtige Höhepunkte vom Altertum bis in die Neuzeit

Mit Material aus der Wikipedia, Geschichte der Ukraine und dort verlinkter Folgeseiten.

 

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Jungsteinzeit bis 1300 v.Chr.

Während der Jungsteinzeit soll in der Südukraine von etwa 6500 bis 5000 v. Chr. die Bug-Dnister-Kultur existiert haben, gefolgt von der Dnepr-Don-Kultur in den Jahren 5000 bis 4000 v. Chr. Es folgte die Sredny-Stog-Kultur, die etwa auf die Zeit von 4500 bis 3500 v. Chr. geschätzt wird (eine der bekanntesten mit dieser Kultur in Verbindung gebrachten Ausgrabungsstelle Derijiwka liegt heute in der Zentralukrainischen Oblast Kirowohrad), das Gebiet soll anderen Ansichten nach in der Zeit von 4800 bis 3000 v. Chr. der östliche Ausläufer der Cucuteni-Tripolje-Kultur gewesen sein.

Am Übergang von der Jungsteinzeit zur Kupfersteinzeit gehörte die heutige Ukraine zu den Ursprungsregionen der vermutlich halbnomadischen Kurgankultur, die auf die Zeit von 4400 v. Chr. bis 4300 v. Chr geschätzt wird – dies ist jedoch wissenschaftlich nicht gänzlich unumstritten.

Die Kurgankultur wurde in der späten Kupfersteinzeit/frühen Bronzezeit von der Jamnaja-Kultur abgelöst bzw. ist in ihr aufgegangen – in der Nähe von Dnipro gibt es den „Storoschowa mohyla“-Kurgan, in dem  frühe Überreste von Wagen ausgegraben wurden.

Der Jamnaja-Kultur folgte in der Bronzezeit etwa von 2800/2500 bis 2000 v. Chr. die Katakombengrab-Kultur die ihren Namen von den von ihnen angelegten Katakomben hat, deren unterirdischer Teil am ehesten mit den ägyptischen Mastabas vergleichbar sind. In der Spätbronzezeit folgte die Srubna-Kultur im 20. bis 12. vorchristlichen Jahrhundert (2000–1200 v. Chr.).


Kurgan in der russischen Steppe
© Gemeinfrei
ab 6500 v. Chr.

Volk der Kimmerer

Die Kimmerer oder Kimmerier waren ein indogermanisches Reitervolk der Antike, welches nach griechischen Autoren wie Herodot ursprünglich am Kimmerischen Bosporus (die heutige Straße von Kertsch zwischen der Krim und Südrussland) und im nördlichen Kaukasus ansässig war. Nach übereinstimmenden griechischen und assyrischen Quellen zogen die Kimmerier ab dem späten 8. Jahrhundert v. Chr. über den Kaukasus nach Anatolien, wo sie zunächst das Reich der Phryger zerschlugen und jahrzehntelang eine Bedrohung für die griechischen Städte Kleinasiens und das Lyderreich waren.


Relief Kimmerer Krieger
© Gemeinfrei
1300 v.Chr.

Zeit der Skythen

Als Skythen werden einige der Reiternomadenvölker bezeichnet, die ab etwa dem 8./7. Jahrhundert v. Chr. die eurasischen Steppen nördlich des Schwarzen Meeres im heutigen Südrussland und der Ukraine von der unteren Wolga und dem Kuban bis zum Dnister besiedelten. Sie wurden im 4./3. Jahrhundert v. Chr. von den kulturell nahestehenden Sarmaten, die sich als Stammesverband zuvor zwischen der unteren Wolga und der Südspitze des Ural gebildet hatten, unterworfen und assimiliert, ein Teil flüchtete auf die Krim, wo noch bis ins 3. Jahrhundert n. Chr. skythische Stammesverbände lebten. Sie hinterließen keine bekannten schriftlichen Aufzeichnungen, und alles, was man über sie weiß, beruht auf Bodenfunden und antiken Quellen anderer Kulturen.


Skythischer Bogenschütze (rotfiguriger Deckel, ca. 520–500 v. Chr.)
© Gemeinfrei
8./7. Jhd. v. Chr.

pontische Griechen siedelten an der Schwarzmeerküste und der Krim

Im 5. Jahrhundert v. Chr. siedelten sich an der ukrainischen Schwarzmeerküste und insbesondere der Krim pontische Griechen an und gründeten Kolonien. Sie sind es auch, die vom Volk der Taurer – woher auch der Name Taurien für die Krim abgeleitet wurde – berichten, die sie als ein Volk von Hirten beschreiben.

Die griechische Präsenz am Schwarzen Meer geht zurück bis in die Zeit der Antike. Die Forschung belegt die ersten Aktivitäten freier Händler und Abenteurer in der Zeit um 1000 v. Chr. Diese waren dort hauptsächlich auf der Suche nach Gold und Erzen.

Die überlieferte Argonautensage über die Reise Iasons und der 50 Helden nach Kolchis, die Reise des Herakles auf dem Schwarzen Meer, die in der Odyssee beschriebenen Abenteuer des Odysseus im Lande der Kimmerier, die Bestrafung des Prometheus durch Zeus am Kaukasus und andere griechische Mythen mit Bezug auf diese Region belegen die Existenz antiker Handelsrouten.


Das Königreich Pontos erlangte seine größte Ausdehnung unter Mithridates VI.
© Gemeinfrei
5. Jhd. v.Chr.

Ära der Sarmaten

Die Sarmaten, auch Sauromaten genannt, waren eine Konföderation mehrerer Stämme von iranischen Reitervölkern, die von antiken Schriftquellen erstmals für das Jahr 513 v. Chr. erwähnt werden. Die Sarmaten waren offensichtlich mit den Skythen verwandt und siedelten zwischen dem 6. Jahrhundert v. Chr. und dem 4. Jahrhundert n. Chr. im Steppengebiet des späteren Südrusslands und der Ukraine, das zunächst von den antiken Griechen, später auch von den Römern als Sarmatien bezeichnet wurde. Hier verdrängten oder ersetzten die Sarmaten ab dem 3. Jahrhundert v. Chr. die Skythen, was zahlreiche Grabfunde belegen.


Sarmatische Panzerreiter fliehen vor der römischen Kavallerie. Relief von der Trajanssäule in Rom.
© Gemeinfrei
4./3.Jhd. v. Chr.

Sarubinzy-Kultur

Das Verbreitungsgebiet lag am mittleren und oberen Dnepr, insbesondere zwischen Desna und Ros und am Prypjat, in kleinerem Maße auch bis zum Südlichen Bug. Der Name leitet sich her vom ehemaligen Dorf Sarubynzi am Dnepr (heute im Gebiet des Dnepr-Staudamms). Heute sind ungefähr 500 Fundstellen dieser Kultur bekannt.


Keramik der Sarubinzy-Kultur
© By Narcoticq (Own work) [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons
3. Jhd. v. Chr. / 1. Jhd. n. Chr.

Gründung von Kiew

Laut Nestorchronik wurde Kiew von den drei Brüdern Kyj, Schtschek und Choriw sowie ihrer Schwester Lybid aus dem Stamm der Poljanen gegründet, die auf drei Anhöhen Dörfer bauten. Sie errichteten noch eine Festung, die sie nach dem ältesten Bruder benannten („Kiew“ = Stadt von Kyj‘, ukrainisch: Kyjiw). Dies soll spätestens am Anfang des 6. Jahrhunderts geschehen sein, da der Name des ostslawischen Fürsten Kyj in dieser Zeit in byzantinischen Chroniken erwähnt wurde.


Wappen von Kiew
© Gemeinfrei
um 480 n. Chr.

Ostgoten/Greutungen, Tschernjachow- und Kiewer Kultur, Hunnensturm

Vom 2. bis Anfang des 5. Jahrhunderts n. Chr. hat sich in der Ukraine auch die mit den Ostgoten assoziierte Tschernjachow-Kultur gebildet, da die Goten zu dieser Zeit aus dem Weichselraum an die Küsten des Schwarzen Meeres drängten. Daneben gab es nördlich der Tschernjachow-Kultur noch die Kiewer Kultur, die ebenfalls auf das 2. und bis zum 5. Jahrhundert n. Chr. datiert wird.

Die Kiewer Kultur war eine archäologische Kultur des 2. bis 5. Jahrhunderts auf dem Gebiet der heutigen Ukraine, Russlands und Weißrussland. Das Verbreitungsgebiet erstreckte sich über die Oblaste Kiew, Tschernihiw und Sumy in der Ukraine, Homel und Mahiljou in Weißrussland und Kursk, Brjansk, Pskow bis Samara in Russland. Die Kultur ist benannt nach einem Fundort bei Kiew. Sie grenzte im Norden an die baltische Strichkeramik- und die Dnjepr-Dwina-Kultur, im Westen an die germanische Przeworsk-Kultur und im Süden an die ebenfalls germanische Tschernjachow-Kultur.

Zur Zeitenwende beherrschten indogermanische Stämme aus der Gruppe der mit den Skythen verwandten Sarmaten die Steppen Osteuropas (Iazygen, Roxolanen, Alanen), im 3. Jahrhundert kamen die Goten dazu. Das änderte sich, als ein Teil der in den spätantiken Quellen als Hunnen bezeichnete Gruppen in den 70er Jahren des 4. Jahrhunderts die große Völkerwanderung auslöste. In der heutigen Ukraine zerstörten sie 375 das Reich der Greutungen.


Karte Europas in der Spätantike. Mittels Pfeilen sind die Völkerwanderungen eingezeichnet.
© Gemeinfrei
2. - 5. Jhd.

Bulgaren, Slawen, Kutiguren, Utiguren

Im vierten Jahrhundert könnten auch die Bulgaren bzw. Proto-Bulgaren im Zuge der Völkerwanderung mitgerissen worden sein. Diese siedelten sich im sogenannten „Onoguria“ an und weiteten ihr Reich über die heutige Süd- und Ostukraine aus. Wahrscheinlich siedelten sich um diese Zeit auch die aus Norden kommenden Slawen erstmals in dem Gebiet an, wobei einige auch (zusammen mit den Bulgaren) in Richtung Balkan gezogen sein könnten. Nach dem Weiterziehen der Hunnen und der von ihnen in Richtung Westen vertriebenen Völkern entstand in der gesamten (Süd-)Ukraine ein Machtvakuum. Im 6. Jahrhundert teilten sich diese frühen Bulgaren vermutlich in Kutriguren welche weiter in Richtung Westen drängten und die Utiguren die am Don verblieben waren und wahrscheinlich das Großbulgarisches Reich gründeten zu dem große Teile der Süd- und Ostukraine gehörten. So wurde das Gebiet der ganzen Südukraine zum Durchzugsgebiet der Bulgaren aus ihrer Heimat, die vermutlich an der Wolga lag. Im 7. Jahrhundert zogen die Bulgaren insbesondere unter ihrem Anführer Kubrat allmählich immer weiter in das heutige Bulgarien, wobei ein Teil vermutlich den Staat der Wolgabulgaren bildete.


Die Wanderung der bulgarischen Stämme.
©: Gemeinfrei
4. - 7. Jhd.

Chasarenreich und Magyaren

Die Chasaren waren ein ursprünglich nomadisches und später halbnomadisches Turkvolk in Zentralasien. Die Chasaren waren wichtige Bundesgenossen des Byzantinischen Reichs gegen das Sassanidenreich und die arabischen Kalifate. Vor allem durch Fernhandel wurden sie eine bedeutende Regionalmacht und kontrollierten in der Blüte ihrer Machtentfaltung weite Teile des heutigen Südrusslands, den Westen des späteren Kasachstans, die Ostukraine, Teile des Kaukasus sowie die Halbinsel Krim.
Während der Zeit des europäischen Frühmittelalters wurde die Ostukraine etwa um das Jahr 750 Teil des Chasarenreiches. Außerdem gehörte es zum Handelsnetz der Radhaniten; diese jüdischen Kaufleute stellten etwa vom 8. bis zum 11. Jahrhundert die Handelsbeziehungen zwischen den verfeindeten Ländern des Abendlandes und der Islamischen Welt sicher und betrieben dabei sogar Handel mit Indien und China – dies stellt wahrscheinlich die beste Begründung für die Wichtigkeit des Judentums im Chasarenreich dar. Die Magyaren, die um das Jahr 600 n. Chr. noch im Wolgagebiet lebten, siedelten um das Jahr 900 n. Chr. im Gebiet zwischen Dnister und Dnepr, an der Westgrenze des Chasarenreiches, dem sie tributpflichtig waren. In dieser Zeit schlossen sich ihnen auch die Kabaren an – drei Stämme, die gegen das Chasarenreich rebellierten – und zogen aufgrund des Drucks der Petschenegen aus den Weiten der Eurasischen Steppengebiete und der mit ihnen verbündeten Bulgaren unter Zar Simeon I. in Richtung Westen in die Karpaten.

Gliederung Europas um 814: Emirat von Córdoba und Frankenreich im Westen, Byzantinisches Reich und Reich der Chasaren im Osten
© Gemeinfrei
7. - 10. Jhd.

Kiewer Rus

Seit dem 8. Jahrhundert fuhren skandinavische Fernhändler die Flüsse Dnjepr und Don entlang auf dem Weg ins Byzantinische Reich. Um 750 gründeten sie die erste Siedlung in Ladoga. In skandinavischen Texten und Runensteinen wird das Gebiet als Gardarike bezeichnet. 862 riefen die Stämme der Tschuden, Wes, Kriwitschen und Slowenen angeblich einen skandinavischen Waräger Rjurik und seine Brüder Truwor und Sineus, um über sie zu herrschen. Rjurik begann im Jahr 862, in Weliki Nowgorod zu herrschen und wurde zum Begründer der Rurikiden-Dynastie, die Russland bis ins Jahr 1598 regieren sollte.

882 eroberte Fürst Oleg Kiew, das bis dahin von Askold und Dir beherrscht worden war. Er verlegte die Hauptstadt dorthin und begründete damit die Kiewer Rus. Die Rus kontrollierten nun den gesamten Handelsweg zwischen der Ostsee und dem Schwarzen Meer. Um diese Hauptader herum wuchs von nun an ihr Staat.

Durch den hauptsächlich auf Konstantinopel ausgerichteten Handel kam es, trotz anfänglicher Eroberungsversuche seitens der Rus, zu engen Kontakten mit Byzanz, die zur christlichen Missionierung und schließlich im Jahre 988 in der Herrschaftszeit Wladimirs des Heiligen zum Übertritt der Rus zum orthodoxen Glauben führten.

Die Kiewer Fürsten waren hoch angesehen und heirateten in ganz Europa; so schlossen sie dynastische Verbindungen unter anderem mit Norwegen, Schweden, Frankreich, England, Polen, Ungarn, dem Byzantinischen Reich und dem Heiligen Römischen Reich. Eine kulturelle Blütezeit erreichte die Kiewer Rus unter den Großfürsten Wladimir dem Heiligen (Herrschaftszeit 978–1015) und Jaroslaw dem Weisen (1019–1054).

Der Süden der heutigen Ukraine wurde bis ins 13. Jahrhundert von nomadischen Steppenvölkern, insbesondere den Petschenegen und später den Kyptschaken beherrscht. Diese und die Erbfolgeregelung nach dem Senioratsprinzip, die bei fast jedem Thronwechsel in Kiew zu kriegerischen Feudalfehden unter den rurikidischen Anwärtern führten, macht man für den Zerfall der Kiewer Rus verantwortlich.


Das Kiewer Reich (»Kiewer Rus«) 1015-1113
© By Original version (russian): Koryakov Yuri German translation and minor corrections: KaterBegemot [CC BY-SA 2.5], via Wikimedia Commons
9,Jhd. - 13. Jhd.

Goldene Horde

Nach ersten Konflikten in den 1220er Jahren zwischen Europäern und den Mongolen unter Dschingis Khan, insbesondere der Schlacht an der Kalka, drangen die Mongolen weniger als 20 Jahre später, diesmal unter Batu Khan, einem Enkel Dschingis Khans, bis nach Mitteleuropa vor. Die Belagerung von Kiew (1240) während des zweiten der beiden Feldzüge markiert nach dem Verständnis der meisten Historiker das Ende der Kiewer Rus.

Die Mongolen (von den Rus zum Teil auch als „Tataren“ bezeichnet) begründeten das Reich der Goldenen Horde – zu einem wesentlichen Teil auf dem Gebiet der heutigen Ukraine. Während sie selbst hauptsächlich an Wolga und Kama siedelten, stellten sie sich jeweils an die Spitze der Elite der eroberten Kultur und beherrschten diese und zahlreiche Nachbarvölker durch ein System von Tributzahlungen, Geiseln und Strafexpeditionen.

1480 kam es zum »Stehen an der Ugra«. So nennt man die Schlachtaufstellung zwischen der Goldenen Horde und dem russischen Heer, die nicht zu einer tatsächlichen Schlacht führte. Die beiden Heere standen sich im Jahr 1480 mehrere Wochen lang zur Entscheidungsschlacht am Fluss Ugra gegenüber, ohne dass eine der beiden Seiten einen entscheidenden Angriff wagte. Das Heer der Goldenen Horde zog schließlich aus heute nicht mehr genau zu klärenden Gründen kampflos wieder ab, die Goldene Horde war Geschichte.


Duell mit einem Mongolen, Bild von Wiktor Michailowitsch Wasnezow (1848-1926)
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13.Jhd. - 15. Jhd

Fürstentum Halitsch-Wolhynien

Eine eigenständige Bedeutung erlangte ab dem 12. Jahrhundert das westukrainische Fürstentum Halytsch-Wolhynien. Es war ein altrussisches Staatswesen unter den Folgestaaten der Kiewer Rus, das in seiner größten territorialen Ausdehnung die heutigen historischen Landschaften Galizien, Wolhynien, Podlachien, Polesien und Podolien umfasste. Es war einer der mächtigsten ostslawischen Staaten zwischen dem späten 12. Jahrhundert und dem frühen 14. Jahrhundert.

Ende des 10. Jahrhunderts wurde das Rotburgenland Teil der Kiewer Rus, als Großfürst Wladimir I. 981 gegen Polen zog und diese Region seinem Reich anschloss. 987 gründete er das Fürstentum Wolhynien mit der Burg Wolodymyr-Wolynskyj. Im 12. Jahrhundert waren Gebiete um Kiew Angriffen nomadischer Steppenvölker, wie den Polowzern ausgesetzt. In der Folge migrierten große Teile der Bevölkerung, wodurch der wirtschaftliche und politische Aufstieg dieser Gebiete gefördert wurde.

Das Fürstentum Halytsch-Wolodymyr wurde 1199 durch den Rurikiden-Fürsten Roman gegründet aus den Fürstentümern Halytsch und Wolodymyr. Im Folgenden entwickelte es sich zu einem der mächtigsten Nachfolgestaaten der Kiewer Rus. Es erlitt jedoch durch den Mongoleneinfall 1240 starke Verwüstungen und war gezwungen das Supremat der Goldenen Horde 1245 anzuerkennen.

Im Verlauf des 14. Jahrhunderts wurde das Fürstentum zum Streitobjekt seiner Nachbarn. Im Jahre 1323 starb die herrschende Rurikiden-Dynastie von Halytsch-Wolodymyr in männlicher Linie aus. Der Neffe des letzten Fürsten, Jurij II., Bolesław von Masowien, wurde Herrscher über Halytsch-Wolodymyr. Er war verwandtschaftlich sowohl mit der polnischen, als auch mit der litauischen Herrscherfamilie verbunden. Als Jurij-Bolesław allerdings im Jahre 1340 wegen angeblicher Bevorzugung der Katholiken von seinen Bojaren vergiftet wurde, brach ein Kampf zwischen den aufstrebenden osteuropäischen Großmächten Polen und Litauen um die Erbmasse des Fürstentums Halytsch-Wolodymyr aus.

Nach längeren Kriegen mit wechselseitigen Gewinnen und Verlusten fiel der größere Teil des Fürstentums mit Galizien, Podolien sowie dem westlichen Wolhynien an das Königreich Polen, während das östliche Wolhynien, Podlachien und Polesien langfristig dem Großfürstentum Litauen einverleibt wurden.


Siegel von Juri I. von Galizien
© Gemeinfrei
12. Jhd. - 14. Jhd.

Khanat der Krim

Während in der heutigen Westukraine das Fürstentum Halitsch-Wolhynien entstand, wurde der Süden zu einem eigenständigen, unter osmanischer Schutzherrschaft stehenden Krim-Khanat. Das Khanat der Krim entstand während des machtpolitischen Zerfalls der mongolischen Goldenen Horde im 15. Jahrhundert mit dem Zentrum auf der Halbinsel Krim. Um etwa 1441 gründeten die Krimtataren unter der Führung der Giray, einem Adelsgeschlecht der Dschingisiden, ein eigenes Khanat, das die Halbinsel Krim, die südlichen Steppengebiete der heutigen Ukraine, sowie ab 1556 die Gebiete der Nogaier-Horde zwischen Asow und Kuban umfasste. Zeitweilig kam das heute mehrheitlich zu Russland gehörende Einzugsgebiet des unteren Don hinzu. Hauptstadt des Reiches wurde das 1454 gegründete Bachtschyssaraj. Das Khanat der Krimtataren war das einzige der Nachfolgereiche der Goldenen Horde, welches über einen längeren Zeitraum, nämlich bis 1792, existierte.

Bis ins 18. Jahrhundert unternahmen die Krimtataren immer wieder Feldzüge in die damals zu Polen-Litauen gehörende Ukraine, die Moldau und Russland, bei denen sie vor allem Sklaven erbeuteten, die das wichtigste „Exportgut“ der krimtatarischen Wirtschaft darstellten. Sie betrieben regen Handel mit dem Osmanischen Reich, dessen Schutzherrschaft sie genossen.

Nach dem Untergang der Goldenen Horde trachtete Russland einerseits danach die Bedrohung durch die "Tartaren" endgültig zu beenden und andererseits nach einem Zugang zum Schwarzen Meer. Aber erst nach dem Russisch-Türkischen Krieg 1770–74 mussten die Osmanen im Frieden von Küçük Kaynarca 1774 die „Unabhängigkeit“ der Krim anerkennen. 1783 kam die Krim durch Annexion unter mittelbare russische Herrschaft. Die Zarin Katharina II. setzte die Khane ein, was von Teilen der Bevölkerung und vom Osmanischen Reich zunächst nicht anerkannt wurde. Nach dem Russisch-Österreichischen Türkenkrieg erkannte das Osmanische Reich 1792 dann die russische Oberhoheit über die Krim an. Viele Krimtataren flohen daraufhin auf das Gebiet der heutigen Türkei.


Die Größe des Khanats und Verluste bis 1783
Brent at the German language Wikipedia [CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons
14. Jhd. – 18. Jhd.

Polen - Litauen

Der Einfall der Mongolen in Osteuropa und die schon vorher begonnene Zersplitterung der Kiewer Rus hinterließen ein politisches Vakuum in der Region. Zudem blieb Litauen aufgrund seiner nordwestlichen Lage von den Kriegszügen der Mongolen unberührt. So erfolgte im 14. Jahrhundert, insbesondere unter Großfürst Gediminas und seinen Söhnen Algirdas und Kęstutis, der Aufstieg Litauens zu einer osteuropäischen Großmacht.

Einige Teilfürstentümer der Rus wurden unterworfen, vor allem nach der Schlacht am Irpen, einige schlossen sich in einer Schwächephase der Goldenen Horde auch freiwillig an. 1362 wurde diese in der Schlacht am Blauen Wasser besiegt, der litauische Großfürst zog in Kiew ein und Weißrussland, die Ukraine und Westrussland standen damit unter dem Supremat der litauischen Großfürsten. Die Großfürsten von Litauen sahen sich von nun an als rechtmäßige Erben des untergegangenen Reiches der Kiewer Rus.

Die nach wie vor heidnischen Großfürsten betrieben in dieser Phase eine Politik religiöser Toleranz, was das Großfürstentum Litauen auch für die europäischen Juden sowie für zahlreiche kleinere Gruppen wie die Karäer attraktiv machte. Im Westen sahen sich die litauischen Herrscher einer ständigen Bedrohung durch den Deutschen Orden gegenüber. Diese Litauerkriege konnten erst nach dem Bündnis mit Polen und der Schlacht von Tannenberg 1410 beendet werden.

1386 bestieg der litauische Großfürst Jogaila nach seiner Taufe als Władysław II. Jagiełło den polnischen Thron, was zur Union von Krewo führte, in der ein Bündnis zwischen Polen und Litauen sowie eine Personalunion der Herrscher beider Gebiete installiert wurde. Ab ungefähr 1450 begann der Druck Moskaus sowie des Osmanischen Reichs zuzunehmen. Die in den vorigen Verträgen formulierte Personalunion wurde 1569 in der Lubliner Union zu einer Realunion erweitert, deren Ergebnis der Polnisch-Litauische Doppelstaat war. Dabei trat Litauen allerdings seine Territorien in der heutigen Ukraine an die polnische Krone ab. Die Verteidigung der südlichen Peripherie gegen das Osmanische Reich und ihre Vasallen, die Krimtataren, fiel nun dem polnischen Reichsteil zu.

 


Das Großfürstentum Litauen im 13. bis 15. Jahrhundert.
© Furfur [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons
14. Jhd. - 18. Jhd.

Entstehung der Kosaken

Es gibt verschiedene Versionen, woher die »Kosaken« ihren Namen haben. Heute meint man, dass er aus den Turksprachen stammt und »freier Krieger« bedeutet. Und es sagt auch viel über diese frühen Ukrainer aus, die ein freies Leben jedem Joch vorzogen!

Ab dem 15. Jahrhundert gehörte das ukrainische Gebiet nominell zur Polnisch-Litauischen Union, also zum polnischen (West-Ukraine) und zum litauischen Reich (Ost-Ukraine). Der Herrschaftsbereich war jedoch wegen des Bevölkerungsverlustes durch die Folgen des Mongolensturms stark eingeschränkt und reichte de facto nicht über Kaniw und Tscherkassy nach Süden hinaus. An der Nordküste des Schwarzen Meeres hatte sich hingegen mit den Krimtataren ein Herrschaftszentrum etabliert, welches sich von den Resten der Goldenen Horde abgetrennt hatte. Die Herrschaft der Tataren war überwiegend an das Zentrum auf der Krim gebunden und beschränkte sich darüber hinaus auf das Einsammeln von Tribut und Raubzüge auf die nördlich gelegenen ukrainischen Grenzgebiete und darüber hinaus bis Mitteleuropa und Russland. In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts zählten die russischen Chroniken 43 Angriffe durch die Tataren, bei denen sie vor allem Sklaven erbeuteten, die das wichtigste „Exportgut“ der krimtatarischen Wirtschaft darstellten.

Das Leben in den Grenzgebieten war deshalb auf die befestigten Städte bezogen, normales siedeln unmöglich. Man lebte vom Steppengewerbe, d. h. man verließ die Grenzfestungen in Gruppen, um in den von Tataren gefährdeten Gebieten Fische zu fangen, Bienen zu züchten und Wild zu jagen. Hierzu versammelte man sich alljährlich im Frühjahr in einer der Grenzstädte, schloss sich in einer Gruppe zusammen, wählte einen Anführer und schwor sich Zusammenhalt für die Dauer der Steppensaison. Die hierbei entstehenden Steppenbeutergruppen (Watahy) wurden zum Kern der Kosakengruppen.

In den 1550er Jahren baute der mit den Kosaken eng verbündete Fürst Dmytro Wyschneweckyj eine Festung auf der Dnepr-Insel Chortyzja, um einen Stützpunkt für Angriffe auf die Tataren zu besitzen. Dabei wurde er sowohl von der litauischen als auch von der Moskauer Obrigkeit unterstützt. Diese Festung diente den Kosaken von dieser Zeit an als Vorbild für die Saporoger Sitsch und weitere Festungsanlagen. Gegen Ende des 16. und zu Beginn des 17. Jahrhunderts war das Kosakentum organisiert und in seiner Stellung gefestigt. Versuche der polnischen Könige Sigismund II., August I. und Stefan I., die Kosaken in ihren Dienst zu nehmen, waren nur vorübergehend und eingeschränkt erfolgreich. Die Kosaken bildeten zu dieser Zeit einen eigenen Stand mit unabhängiger Rechtsprechung und Obrigkeit.

Diese Unabhängigkeit und auch die religiöse Toleranz war für viele Leibeigene wie ein Magnet. Und somit waren die Kosaken ein Dorn im Auge des katholischen, polnischen Adels. Man brauchte jedoch die Kosaken als Bollwerk gegen die Tataren und versuchte mit Quoten deren Anzahl zu bändigen. Das führte dann jedoch zu Unmut unter den freien Kosaken, da deren Anzahl oft das Doppelte betrug. Auch die Freibeuterei und Überfälle zu See auf eigene Faust stieß immer wieder auf Unmut bei der polnischen Krone, erkauften sie sich doch lieber den Frieden mit den Tataren und führten deshalb Strafexpeditionen gegen die Kosaken durch.

Im Jahre 1648 setzte sich der Hetman der Saporoger Kosaken, Bogdan Chmelnyzkyi, an die Spitze eines großen Kosakenaufstandes gegen die polnisch-litauische Herrschaft. Tataren kämpften an seiner Seite, ließen sich dann aber von den Polen kaufen. Chmelnizki benötigte Unterstützung und fand diese beim russischen Zaren Alexei I., zumal Russen Glaubensbrüder waren. Gegen die Zusicherung weitgehender Autonomie kam es 1654 zum Vertrag von Perejaslaw. Mit der Autonomie war es nicht weit her, für Russen war der Kosakenstaat eine Kolonie.

Nach dem Tod Chmelnyzkyis endete der Zusammenhalt der Kosaken. Letztlich kam es zur Spaltung entlang des Dneprs in eine propolnisch orientierte, Rechtsufrige Ukraine und eine prorussisch orientierte, Linksufrige Ukraine. Jede Seite wählte dabei ihren eigenen Hetman.


Angriff der Saporoger Kosaken in der Steppe, Gemälde von Franz Roubaud
© Gemeinfrei
15. Jhd. - 18. Jhd.

Die Zeit bis zum 1. Weltkrieg

Die Kosaken auf russischer Seite breiteten sich weiter aus und halfen, den Ostteil des Landes für Russland zu erschließen. Schon im 15. Jahrhundert entstanden am Don Kosakengemeinschaften. Nachdem die Kosaken unter Jermak Timofejewitsch das Khanat Sibir erobert und Gebiete hinter dem Ural dem Zaren unterstellt hatten, verbesserte sich ihr Status und ihr Verhältnis zur Staatsmacht. Anfang des 17. Jahrhunderts erreichten Kosaken den ostsibirischen Fluss Jenissei. Sie erschlossen Ostsibirien und gründeten die Siedlungen Jenisseisk, Kusnezk, Krasnojarsk und Jakutsk. Sie erreichten das Ochotskische Meer (Pazifischer Ozean).

1667 fielen die Türken in die Westukraine ein und verwüsteten das Land. Nach dem Abzug der Türken 1699 versuchte man erneut, einen unabhängigen Staat zu errichten. Im Bündnis mit den Schweden versuchten die Kosaken unter Hetman Mazepa erfolglos Ihr Recht gegenüber dem russischen Zaren Peter I. durchzusetzen. Die Ostukraine fiel für lange Zeit in den Machtbereich der Russen.

Durch die Teilung Polens Ende des 18. Jahrhunderts fiel auch die westliche Ukraine an die Russen. Galizien und die Bukowina kamen unter österreichische Herrschaft. Widerstände unter Zar Nikolaus I. endeten mit dem Verbot der lokalen Sprache und Literatur. In der 2. Hälfte des 19.Jh. begann auch auf ukrainischem Gebiet die Industrialisierung.


Der schwedische König Charles XII und Ivan Mazepa nach der Schlacht von Poltava
© Gemeinfrei
17.Jhd. bis 1917

Erste Unabhängigkeit und erneute Aufteilung

Mit der Februarrevolution 1917 in Russland und dem Sturz der Zarenregierung sah man in der Ukraine die Chance für eine eigene, unabhängige Staats- und Gesellschaftsentwicklung, für gekommen. Am 17. März 1917 versammelten sich in Kiew Repräsentanten politischer, kultureller und beruflicher Organisationen, um aus ihrer Mitte eine provisorische Regierung zu bilden, die an die Stelle der inzwischen abgeschafften zaristischen Regierungsbehörden treten sollte. Zum Vorsitzenden dieses ukrainischen Volksrats wurde am 20. März 1917 Mychajlo Hruschewskyj gewählt, ein ukrainischer Historiker, der Ende des 19./Anfang des 20. Jahrhunderts in Lemberg die Grundlage für eine ukrainische Nationalbewegung schuf.

Auf dem All-ukrainischen Nationalkongress vom 19. bis 21. April 1917, mit rund 900 Delegierten von politischen Parteien, Bauernorganisationen, ländlichen und städtischen Selbstverwaltungen, Militärorganisationen, Kultur- und Bildungseinrichtungen, kirchlichen Institutionen, sowie den ukrainischen Gouvernements, wurden zunächst 115 Deputierte in die Zentralrada gewählt, der fortan höchsten nationalen Autorität. Man forderte die Festlegung der Grenzen der Ukraine, Autonomie innerhalb eines demokratischen und föderativ organisierten Russlands, sowie die Teilnahme an einer zukünftigen Friedenskonferenz.

Am 22. Januar 1918 wurde die volle Selbstständigkeit als Ukrainische Volksrepublik verkündet. Am 8. Februar eroberten Verbände einer bolschewistischen Gegenregierung Kiew, wurden jedoch durch deutsche Truppen vertrieben. Am 9. Februar schloss die Ukraine unabhängig von Russland mit den Mittelmächten den so genannten Brotfrieden von Brest-Litowsk. Die durch den Zentralrat gebildete ukrainische Regierung verlor ihren Einfluss jedoch spätestens mit dem Einmarsch deutscher Truppen nach dem Friedensvertrag mit Russland in Brest-Litowsk vom 3. März 1918, mit dem die kommunistische Regierung Russlands unter Androhung der Kriegsfortführung gezwungen wurde, die Ukraine, Litauen, Lettland und Estland an das Deutsche Reich zu übergeben.

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges 1918 und dem Abzug der deutschen und österreichisch-ungarischen Truppen herrschte in den Jahren 1919 und 1920 wieder ein blutiger Krieg mit den Bolschewiken, denn Lenin war für die Umsetzung seiner Ideen auf ukrainisches Brot angewiesen.

In den Wirren nach der Oktoberrevolution, eroberte Polen im Sommer 1919 Ostgalizien mit der Hauptstadt Lwiw, das bis 1939 bei Polen blieb. Die ukrainische Republik wurde 1922 Teil der Sowjetunion. Jegliche Versuche, einen unabhängigen Staat zu errichten wurden durch die Bolschewiken brutal verhindert.


Ukrainische Briefmarke zu Ehren Hruschewskyjs (1995), dem ersten Präsidenten der Ukraine
© gemeinfrei
1917 bis 1922

Verbrechen des Sowjetregimes, Holodomor

Stalin verfolgte das politische Ziel, den ukrainischen Freiheitswillen zu unterdrücken und die sowjetische Herrschaft in der Ukraine zu festigen. Die Sowjets waren bereits zuvor radikal gegen die Intelligenzija und den ukrainischen Klerus vorgegangen. Zwischen 1926 und 1932 wurden durch die Kommunisten 10.000 Kleriker liquidiert. Allein im Jahr 1931 wurden mehr als 50.000 Intellektuelle nach Sibirien deportiert, darunter die 114 wichtigsten Dichter, Schriftsteller und Künstler des Landes. Hiernach wandten sich die Sowjets nun gegen die Bauernschaft, die sich weiterhin hartnäckig der Kollektivierung und Umerziehung widersetzte. Im Sinne einer „Russifizierung“ sollte die ukrainische Kultur ausgemerzt werden, so dass nur noch eine sowjetische Kultur übrig bliebe.

Der Holodomor begann mit einer schweren Dürre im Winter und Frühjahr 1931/1932 und dauerte bis Juli 1933. Trotz des Hungers der Landbevölkerung erhöhten die Parteikader die Abgabenquote auf 44 Prozent. Während im Jahr 1931 noch 7,2 Millionen Tonnen Getreide in der Ukraine requiriert wurden, sank dieser Wert trotzdem auf 4,3 Millionen Tonnen im Jahr 1932. Das Getreide wurde größtenteils zur Devisenbeschaffung am Weltmarkt verkauft. Die Einnahmen wurden zur Industrialisierung der sowjetischen Wirtschaft benötigt.

Am 28. November 1932 beschloss das Politbüro der Ukraine die Verhängung von „Naturalienstrafen“ und die Einführung von „Schwarzen Listen“ gegen opponierende Bauern. In der Folge wurden die Lebensmittelforderungen an die Bauern drastisch forciert. In der Folge von Strafabgaben verloren viele Bauernfamilien ihren gesamten Besitz. Sie verhungerten oder endeten, um Essen bettelnd, in den Städten.

Der nächste Schritt war die Anweisung, alle Getreidevorräte auf den Kolchosen zu beschlagnahmen. Diese Beschlagnahmungen wurden mit großer Härte durchgeführt, Folter und Tötungen inbegriffen. Am 27. Dezember 1933 wurden ein Inlandspass und für die Bewohner der großen Städte eine Meldepflicht eingeführt, um die Flucht der Landbewohner in die Städte zu stoppen. Am 22. Januar folgte ein Befehl von Stalin und Molotow an die Geheimpolizei GPU, die Landbewohner am Verlassen der Hungergebiete zu hindern. Mehrere Hunderttausend Menschen, die es in die Städte schafften, wurden von dort wieder vertrieben.

Tausende von Kindern wurden von ihren Eltern in die Städte geschafft und dort ausgesetzt in der Hoffnung, jemand werde sich ihrer annehmen. Zur Beseitigung der Kinder aus den Städten wurde daraufhin eine Sondereinheit gegründet. Diese sammelte die verhungernden Kinder auf der Straße ein. Sie wurden aus den Städten abtransportiert. Auf freiem Feld setzte man die Kinder anschließend zum Sterben aus. Zusammen mit dem Hunger brachen Seuchen in der geschwächten Bevölkerung aus. Im Frühjahr 1933 erreichte die Sterblichkeit ihren Höhepunkt. Während die Bauern verhungerten, exportierte die Sowjetunion 1933 1,8 Millionen Tonnen Getreide.

Die Weltöffentlichkeit reagierte kaum auf diesen faktischen Massenmord in der Sowjetunion, der als Holodomor in die Geschichte einging. Es gab nur wenige Zeitungsberichte, diplomatische Reaktionen blieben aus. Die Sowjetunion selbst zensierte die wahrheitsgemäße Berichterstattung. Der vergleichende Völkermordforscher Gunnar Heinsohn schätzt die Zahl der Opfer auf 6 bis 7 Millionen Ukrainer. Für ihn ist es die „schnellste gegen eine einzelne Volksgruppe gerichtete Massentötung des 20. Jahrhunderts und womöglich der Geschichte“. Als Motiv nimmt er die „Brechung der ukrainischen Unabhängigkeitsbewegung“ an.


Fußgänger und Leichen verhungerter Bauern auf einer Straße in Charkiw, 1933 (Bild: Gareth Jones)
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1922 bis 1941

Zweiter Weltkrieg und der bewaffnete Kampf gegen die Sowjets

Im 2. Weltkrieg besetzten deutsche Truppen die Ukraine. Auf 8 bis 10 Millionen Opfer schätzt man die menschlichen Opfer dieses grausamen Krieges, 714 Städte und 28 000 Dörfer wurden zerstört. Die Hoffnung auf Selbstständigkeit führte in weiten Teilen zur Zusammenarbeit mit den Deutschen. Als man erkannte, dass Hitlers Deutschland kein Interesse an einer unabhängigen Ukraine hat, wendete man sich gegen die Deutschen. Ukrainische Partisanen, die weiterhin an eine unabhängige Ukraine glaubten, kämpften zum Teil gleichzeitig gegen die Deutsche Wehrmacht und die Rote Armee.

Nach dem Krieg setzte die UPA ihren Kampf gegen die Sowjetunion fort. Von 1945 bis 1946 gelang es der UPA, die Hälfte der Ukraine unter ihre Kontrolle zu bringen. 1947 schlossen die Sowjetunion, Polen und die Tschechoslowakei ein Geheimabkommen, um die UPA gemeinsam zu bekämpfen. Die UPA löste sich mit der Zeit auf und operierte immer mehr in kleineren Gruppen.

1947 führte die Polnische Volksarmee die Aktion Weichsel durch, bei der etwa 150.000 Ukrainer aus ihrer bisherigen, nun zu Polen gehörenden Heimat vertrieben wurden. Die UPA versuchte diese Umsiedlung zu verhindern und bekämpfte die polnischen Streitkräfte. 1950 wurde Roman Schuchewytsch, der wichtigste Oberbefehlshaber in der Geschichte der UPA, getötet. 1954 wurde die UPA von der Roten Armee endgültig zerschlagen.


Territoriale Struktur der UPA im Jahre 1944
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1941 - 1950er Jahre

Ukrainische Nationalbewegung und erneute Unabhängigkeit

In Galizien wurden bereits 1987 erste Regungen einer ukrainischen Nationalbewegung sichtbar. Geistliche und Laien setzten sich für eine Rückgabe der Kirchen an die Ukrainische Griechisch-katholische Kirche ein, die als unierte Kirche dem Papst unterstand. Die Russisch-Orthodoxe Kirche bekämpfte diese Bestrebungen. Ende 1989 wurde die Ukrainisch-Katholische Kirche nach einem Besuch Gorbatschows im Vatikan wieder zugelassen, ihr Oberhaupt, Kardinal Ljubacivs'kyj, kehrte 1991 aus dem römischen Exil nach Lemberg zurück.

Am 10. September 1989 wurde in Kiew die ukrainische Volksbewegung Narodnyj Ruch Ukrajiny gegründet. Die Delegierten forderten die nationale und wirtschaftliche Souveränität der Ukraine innerhalb einer sowjetischen Konföderation, sowie einen verbesserten Status der ukrainischen Sprache. Außerdem mehr Rechte für die christlichen Kirchen neben der russisch-orthodoxen Kirche.

Der Oberste Sowjet in Kiew gab am 16. Juli 1990 mit 355 gegen 4 Stimmen eine Souveränitätserklärung ab, mit der die Gesetze der ukrainischen Sowjetrepublik über die der Sowjetunion gestellt wurden. Drei Tage nach dem gescheiterten Augustputsch in Moskau 1991 beschloss der Oberste Sowjet in Kiew am 24. August 1991 mit 346 von 450 Stimmen den Austritt aus der Sowjetunion und die Schaffung eines unabhängigen Staates.

 


Ukrainische Flagge
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1987 bis 1991

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